Herkunftsnachweise für Lebensmittel erleben zurzeit einen regelrechten Boom. Wir machen kein Geheimnis daraus, wer die Milch für unseren Käse produziert. Sie hören auf Namen wie Alma, Bella, Fiona oder Sina und sind unsere fleissigsten Mitarbeiterinnen – die Milchkühe. Einen ganz besonderen Kontakt zu ihnen pflegt der Biobauer und Kuhversteher Kari Huser aus Seelisberg.

Konsumenten möchten heute vermehrt wissen, woher ihre Lebensmittel stammen und setzen auf regionale Produkte mit kurzen Transportwegen. Deshalb nehmen wir Sie mit auf eine virtuelle Reise nach Seelisberg und stellen Ihnen in unserer neuen Serie «Die urigsten Bauern, die schönsten Kühe und der beste Käse» einige unserer Bauern vor. Wir versprechen Ihnen: Sie werden staunen und schmunzeln.

Unsere tierischen Mitarbeiterinnen

Ohne Milchkühe kein Seelisberger Bergkäse. Sie liefern die wertvollste Zutat für unseren Käse: die Milch. Wir sind davon überzeugt, dass glückliche Kühe die bessere Milch produzieren. Das heisst: Wir bevorzugen Milch von Kühen, die tiergerecht gehalten werden, und sind wiederum bereit, dafür einen fairen Milchpreis zu bezahlen. Wir setzen viel Vertrauen in unsere Milchlieferanten. Dies ist mitunter ein Grund dafür, dass wir um langjährige Beziehungen zu unseren Milchbauern bemüht sind.

Viele Lieferantenkontakte bestehen bereits seit der Zeit, als Grossvater Aschwanden die Käserei zum Leben erweckte. Auch Kari Huser, ein waschechter Seelisberger und Kuhversteher, ist einer unserer langjährigen Milchlieferanten.

Eine tierische Freundschaft

Der Umgang von Kari mit seinen Kühen ist liebevoll, fürsorglich und ehrfürchtig. Er pflegt eine besondere, emotionale Verbindung zu seinen Tieren. Es ist mehr als eine geschäftliche Beziehung zwischen Kari und seinen Kühen, eher wie eine bedeutende Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Mit Blicken, ruhigen Worten und über behutsamen Körperkontakt findet die Kommunikation zwischen Kari und seinen Kühen statt. Sie verstehen sich auf ihre eigene Art und Weise (ziemlich gut). Er pflegt einen achtsamen Umgang mit ihnen. Oder wie Kari von sich selber sagt: «Ich betreibe buddhistisch gewaltfreie Milchproduktion.»

Ein tiergerechter oder gar tierlieber Umgang ist für ihn das A und O. Das zeigt sich an der Art und Weise, wie er die Tierhaltung handhabt. So lässt er beispielsweise die Kälber bei der Mutterkuh. Sie sollen in ihrer natürlichen Umgebung aufwachsen – auch wenn das wirtschaftlich weniger attraktiv ist. Säugt die Mutterkuh ihr Kalb, bleibt weniger Milch übrig, die Kari verkaufen kann. Kari sind ethische und moralische Aspekte wichtiger als die ökonomischen. Der Respekt gegenüber seinen Tieren steht an oberster Stelle.

Pro Hornkuh

Eine weitere Besonderheit bei Karis Kühen sind die Hörner. Er will keine gesunde Kuh enthornen, denn ihm ist es wichtig, die Würde der Tiere aufrechtzuerhalten. Er nimmt sie so, wie sie sind – Kühe mit Hörnern.

Denn Kari ist klar, wie bedeutend die Hörner für die Kühe sind. Wussten Sie, dass die Kuhhörner wichtig für die Kommunikation untereinander sind und als natürliche Klimaanlage funktionieren? Mit der Haltung der Hörner übermitteln die Kühe ihren Artgenossen klare Botschaften und kommunizieren innerhalb der Herde durch sanftes Anstupsen oder bestimmten Kopfbewegungen. Ausserdem übernehmen die Hörner eine zentrale Funktion bei der Regulierung der Körpertemperatur – besonders dann, wenn es heiss ist.

Um gegenseitige Verletzungen zu vermeiden, werden Hornkühe meist im Stall angebunden. Nicht so bei Kari. Trotz der Hörner logieren seine Kühe in einem Laufstall. Das ist unüblich, denn Kühe machen ihre Rangordnung in der Herde über Hierarchiekämpfe aus und demgemäss ist die Verletzungsgefahr durch die Hörner grösser. Weshalb klappt die Laufstallhaltung bei Kari? Wichtig ist, dass die Kühe genügend Freiraum beim Fressen haben, Sackgassen im Stall vermieden werden und sich die Tiere ausweichen können. Ebenso zentral für den Erfolg ist eine gute Herdenführung und eine intensive Tier-Mensch-Beziehung. Und wie wir ja bereits wissen, pflegt Kari einen sehr engen Kontakt zu seinen Kühen.

Biobauer aus Überzeugung

Kari ist Biobauer – seit Jahrzehnten. Biobauern erhalten durch die Einhaltung von strengen Richtlinien und Vorgaben einen höheren Preis für ihre Produkte, dafür schonen sie mit der regulierten Landwirtschaft die Natur. Der finanzielle Anreiz hat viele Bauern dazu gebracht, auf einen Biobetrieb umzustellen. Kari hat den Entscheid zum Biobetrieb nicht aus wirtschaftlichen Gründen getroffen, sondern aus purer Überzeugung. Bio ist nachhaltiger, umwelt- und tierfreundlicher.

Ein Querdenker mit gutem «Gspüri»

Er macht, was für ihn passt. Kari ist kein Bauer, der mit dem Strom schwimmt. Vielmehr ist er ein Querdenker, originell und innovativ. Damit seine Kühe stets in den Genuss von saftigen Bergwiesen kommen, lässt er seine Tiere abwechselnd auf zwei verschiedenen Wiesen weiden. Dort, wo die Kühe fressen, wird auch gleich das Geschäft erledigt. Ziehen die Kühe auf die zweite Wiese um, dienen die Kuhfladen als natürliche Düngung der Wiese. So schliesst sich der Kreis(-lauf)!

Sein natürliches «Gspüri» für den Umgang mit den Kühen ergänzt er kontinuierlich mit Wissen rund um die Tierhaltung, besucht Kurse und macht auch vor alternativen Methoden wie «Homöopathie für Kühe» nicht halt. Kari ist Kuhbauer mit Leib und Seele.

Wer jetzt vielleicht denkt, dass Kari ein zurückgezogener Einzelgänger ist, täuscht sich. Den Ur-Seelisberger kennt man im Dorf und er ist engagiert, z.B. als ehemaliger Feuerwehrkommandanten. Seine freundliche, offene und auch humorvolle Art hat ihm gar einige Götti-Anfragen beschert. Auch dieser Rolle kommt er mit viel Herzblut nach und die Kinder besuchen ihn immer gerne auf dem Hof.

Ein Leben lang bei Kari zuhause

Kari ist keiner, der seine Kühe verkauft, wenn sie nicht mehr die gewohnte Leistung bringen. Er behält die Tiere auch dann, wenn sie nicht mehr so rentabel sind. Damit geniessen die Milchkühe bei Kari ein längeres Leben als viele ihrer Artgenossen. Auch hier steht die Würde der Tiere im Vordergrund und nicht die wirtschaftlichen Aspekte.

In der Intensivhaltung, also dann, wenn Kühe für die Milchproduktion zu Höchstleistungen gezüchtet werden, liegt die Lebenserwartung bei durchschnittlich 5,5 Jahren. Die natürliche Lebenserwartung ist jedoch fast viermal so hoch und liegt bei ungefähr 20 Jahren. Das erinnert uns an Goldi, eine Milchkuh von Seelisberg, die stolze 20 Jahre alt wurde. Rest in Peace, Goldi!

Die Milch für unseren Käse

Die frisch gemolkene Milch von Karis Kühen fliesst ohne Umwege in unsere Käseproduktion – direkt aus der Region. Überzeugen Sie sich selber vom guten Geschmack der regionalen Rohmilch in Form unseres Bergkäses – jetzt online im virtuellen Käslädeli bestellen.

Abschliessend gibt es nur eins zusagen: «Wenn ich eine Kuh wäre, würde ich gerne bei Kari leben!»

«Uf wyderluege»
Ihre Bergkäserei Aschwanden