«Käse ist ein Kunstwerk», sagt Ali und diese Kunst möchte er beherrschen, um vielleicht irgendwann in seine Heimat Afghanistan zurückzukehren und dort selbst Käse herzustellen.
Während der letzten zwei Jahren hat der afghanische Migrant Ali bei der Bergkäserei Aschwanden seine Lehre als Milchpraktiker absolviert. Als sich die Option ergab, einem Flüchtling den beruflichen Einstieg in der Schweiz zu ermöglichen, haben wir sie am Schopf gepackt. Was das für Ali und uns bedeutet hat, erfahren Sie in diesem Artikel.
Wir blicken zurück auf eine spannende Zeit, die für beide Seiten sowohl Herausforderung als auch Bereicherung war.
Von Afghanistan in die Schweiz
Abdul Ali Khalili – oder kurz «Ali» – hat 1993 in Zentralafghanistan als 5. Kind einer Selbstversorger-Bauernfamilie das Licht der Welt erblickt. Sein Heimatort Jaghori liegt im afghanischen Hochland umgeben von Gebirge, das wie Steinwüsten gen Himmel emporsteigt. Die Gegend ist kahl, trocken und es herrscht erheblicher Wassermangel, was die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen erschwert. Obwohl es kaum Weiden oder Wälder gibt, wachsen in diesem Gebiet verschiedene, saftige Obstsorten.
Vom 6. bis zu seinem 18. Lebensjahr besuchte Ali die Schule und half nebenher seinem Vater in der Landwirtschaft, um die Familie zu versorgen.
2015 kam Ali über den Landweg als Flüchtling in die Schweiz – ohne Angehörige. Seine Eltern waren nach Pakistan geflüchtet. Drei lange Jahre wartete er in Altdorf, um als Flüchtling anerkannt zu werden. Erst dann hatte er die Möglichkeit, Deutsch zu lernen und absolvierte 2018/2019 das Brückenangebot für Flüchtlinge in Altdorf. Ziel war es, nach dem Brückenangebot eine Lehrstelle zu finden, um sich gesellschaftlich besser zu integrieren und eine Zukunft in der Schweiz aufbauen zu können.
Eine Ausbildung bei der Begkäserei Aschwanden
Die Bergkäserei Aschwanden ist bereits seit Jahren ein Ausbildungsbetrieb, bis 2019 hatten wir aber noch keinen Flüchtling ausgebildet. Ali hatte unseren Betrieb im Lehrstellennachweis gefunden und sich für eine Schnupperlehre beworben. Da wir damals etwas knapp an Personal waren, war es die ideale Gelegenheit, um Ali kennenzulernen. Ausserdem sahen wir es als gute Möglichkeit, uns sozial zu engagieren. Nachdem Ali im Juni seinen Schnuppertag absolvierte, entschieden wir uns ihn ab August 2019 für die Lehre als Milchpraktiker einzustellen.

«Sprache ist der Schlüssel zur Integration»
Die vermutlich grösste Herausforderung für uns als Ausbildungsbetrieb und Ali als Mitarbeitender war die Sprachbarriere. Schliesslich konnte er sich zu Beginn der Anstellung nur begrenzt auf Deutsch verständigen.
«Wenn man will, dann versteht man sich», davon ist Ali überzeugt und dank gegenseitiger Rücksichtsnahme hat das auch von Anfang an – mit einigen Hürden – funktioniert. Während Selina ihm am ersten Tag mit einfachem Deutsch die einzelnen Arbeitsschritte erklärte, versuchte Ali so viel wie möglich auf Anhieb zu verstehen. Die sprachlichen Herausforderungen verlangten ihm jedoch sehr viel ab, weshalb er abends müde, aber glücklich ins Bett fiel.
Die sprachliche Hürde zeigte sich auch in der Berufsschule, wo es ihm anfangs schwer fiel, dem Schulunterricht zu folgen, da er kaum etwas verstand. Deshalb war es für ihn umso wichtiger, möglichst schnell seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Eine grosse Hilfe war Selina. Sie half Ali geduldig dabei, alles zu verstehen. Um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, besuchte er zudem einen Gruppensprachkurs, was jedoch nur schleppend zu Lernerfolgen führte. Wirklich grosse sprachliche Fortschritte brachten der Einzelunterricht bei einem pensionierten Sekundarlehrer in Seelisberg.

Käse und andere Milchprodukte
Aus Afghanistan kannte Ali ausschliesslich Milch und Nature-Joghurt, Käse war ihm fremd. Umso überraschter war er über die Vielfalt an Milchprodukten, welche in der Schweiz hergestellt werden. Das anfänglich Unbekannte ist heute Alltag. Inzwischen weiss Ali einiges mehr über das Schweizer Traditionsprodukt Käse und andere Milchprodukte als mancher Einheimische.
Aber auch mit dem Geschmack von Käse konnte sich Ali zu Beginn nicht so ganz anfreunden – schliesslich kannte er nichts Vergleichbares. Mittlerweile ist aber auch er auf den Geschmack gekommen und zählt Käse zu seinem Lieblingsessen – besonders angetan haben es ihm der Greyerzer und unser würziges Seelisberger-Mutschli.

Eine Zukunft mit Käse
Wohin geht Alis Reise nach dem Abschluss seiner Milchpraktiker-Lehre? Ali hat ein klares Ziel vor Augen. Er möchte möglichst unabhängig sein und seinen Lebensunterhalt in der Schweiz selbständig bestreiten. Damit ihm das gelingt, plant er nun einige Jahre als Milchpraktiker zu arbeiten, um das erlernte Handwerk anzuwenden und zu verbessern, bevor er dann eine Lehre zum Milchtechnologen absolvieren möchte, um seine Kenntnisse rund um die Käseherstellung zu vertiefen. Das duale Bildungssystem – mit der Kombination aus Schule und praktischem Arbeiten – ist für Ali eines jener Dinge, die er an der Schweiz sehr schätzt.
Eines ist aber schon klar, er bleibt der Bergkäserei Aschwanden als Mitarbeiter treu. Das freut uns.
Die Liebe zur Natur
Nicht nur den Schweizer Käse hat Ali ins Herz geschlossen, sondern auch die wunderschöne Schweizer Landschaft mit den grünen Wiesen, Bergen und Seen. Wenn Ali nicht gerade in der Käserei seine Arbeit verrichtet, geniesst er Ausflüge in die umliegenden Berge. Unser Hans sagt: «Ali ist eine richtige Berggeiss.» Als sie einst gemeinsam von Seelisberg aus den Niederbauen bestiegen, staunte Hans nicht schlecht, wie schnell und sicher Ali den teils steilen Wanderweg beschritt. Kein Wunder, schliesslich ist Ali im Hochgebirge gross geworden und kann sich in diesem Gelände problemlos bewegen.

In seiner Freizeit verbringt Ali viel Zeit in der Natur, trifft sich mit Freunden zum Volleyballspielen, geht baden oder auch zur Fasnacht – einer jener kulturellen Anlässe der Schweiz, die sein Interesse geweckt hat.
Vizeweltmeister und Familienbetrieb
Ali ist stolz darauf, dass er seine Ausbildung bei einem Vizeweltmeister absolvieren durfte. Ja, genau, sie haben richtig gehört: 2020 wurde der Käse «Bergrausch» der Bergkäserei Aschwanden in Wisconsin USA in der Kategorie «geschmierte Halbhart-Käse» mit dem 2. Platz gekürt.
Ausserdem schätzt Ali die Freundlichkeit und Unterstützung unserer Familie Aschwanden. Einmal wöchentlich sitzt er zum Z’nacht bei uns am Tisch, auch Silvester haben wir zusammen gefeiert und für die Fahrprüfung hat Hans gemeinsam mit Ali ein paar private Fahrstunden absolviert. Wir unterstützen ihn sehr gerne beruflich und privat, damit er seine Ziele erreichen kann. Das trägt auch dazu bei, dass wir eine besondere Beziehung zu Ali pflegen, der bei uns im Haus in der Mitarbeiterwohnung sein Zimmer hat.

Freude an der Arbeit in der Käserei
Auch wenn wir ein spezielles Verhältnis zu Ali pflegen, ist er in erster Linie einer unserer geschätzten Mitarbeitenden. Er leistet seine Arbeit genauso wie das restliche Team, da gibt es – trotz seiner 6'000 bis 7'000 Autokilometer entfernten Herkunft – keinen Unterschied.
Ali selbst schätzt besonders die vielfältige, saubere und exakte Arbeit in der Bergkäserei und er freut sich, dass er dazu beitragen kann, ein hochwertiges und gesundes Lebensmittel herzustellen, das dem Konsumenten mundet.
Wollen Sie sich selber von unseren Produkten überzeugen? Dann bestellen Sie doch in unserem virtuellen Käslädeli den passenden Käse nach Wahl. Das freut nicht nur uns sondern auch Ali.
Uf Wyderluege,
Ihre Bergkäserei Aschwanden