Kaum den Lehrabschluss zur Drogistin in der Tasche, hat Olivia Imholz im Sommer 2021 gleich die nächste Lehre gestartet. Hier berichtet sie über ihren neuen Arbeitsalltag als angehende Milchtechnologin in der Bergkäserei Aschwanden.
Der lange Weg zur Arbeit
Früh steht Olivia jeden Morgen auf. Im Winter läutet ihr Wecker um halb vier Uhr. Sie benötigt die Zeit, damit sie pünktlich um 5 Uhr in der Käserei Aschwanden in Seelisberg ihren Arbeitstag starten kann. Im Sommer 2021 hat sie die Lehre als Milchtechnologin gestartet. Olivia lebt im idyllischen und etwas abgelegenen Bergdorf Isenthal – gerade einmal sieben Kilometer Luftdistanz von ihrem Arbeitsort entfernt. Dennoch hat sie einen Arbeitsweg von rund 40 km, da sie um einen Berg, den Oberbauenstock, herum muss. Ihre Fahrt führt über die stellenweise schmale Bergstrasse runter nach Altdorf. Trotz Auto mit Allradantrieb, muss Olivia bei ausserordentlich schlechten Strassenverhältnissen sogar Ketten montieren, weil die Strasse früh morgens noch wenig befahren und oft noch nicht gepflügt ist. Doch Olivia meint dazu: «Das ist dann halt einfach so. Pressieren bringt nichts. Es kommt auch an wenigen Tagen vor, dass ich aufgrund der Strassenverhältnisse ein paar Minuten zu spät komme. Aber das ist für niemanden ein Problem. Es ist allen lieber, wenn ich langsamer fahre und keinen Unfall baue». Einmal unten in Altdorf, düst sie über die Autobahn durch den Seelisbergtunnel bis zur Ausfahrt Beckenried, von wo sie über Emmetten nach Seelisberg hoch fährt. In der Regel dauert ihre Fahrt zur Käserei Aschwanden in Seelisberg rund 45 Minuten.
Start in den Käsereialltag
«Den typischen Arbeitstag gibt es nicht», erklärt Olivia. Die Arbeiten werden unter den Arbeitenden aufgeteilt. Jemand holt mit dem Milchsammelfahrzeug Milch direkt bei Milchproduzenten. Die anderen starten im Käsekeller. Dort werden die Käse geschmiert, damit sie richtig reifen. Jemand übernimmt die Salzbad-Arbeit: Käse vom Vorvortag aus dem Salzbad und die vom Vortrag ins Salzbad. Nach rund einer Stunde startet die Produktion. Die angelieferte Milch wird ins Kessi gelassen. Diese muss nach wenigen Arbeitsschritten einlaben, also gerinnen. Dieser Vorgang dauert circa 30 Minuten. «Dann ist Zeit für Z’morge», erzählt Olivia. Um etwa 7 Uhr unterbricht das Team die diversen Arbeiten und frühstückt gemeinsam.

Erste Lehre als Drogistin
Schon während der Schulzeit hat Olivia mit der Käserlehre geliebäugelt. «Doch alle Lehrstellen waren zu weit weg und ich hätte von Zuhause ausziehen müssen», blickt Olivia zurück. Deshalb hat sie sich damals für die Lehre als Drogistin entschieden und eine Lehrstelle in Goldau gefunden. Dorthin konnte sie mit dem ÖV zur Arbeit. Die Liebe zum Käsen lebte sie im Sommer als Hilfskraft auf der elterlichen Alp hoch über Isenthal aus. «Doch etwas hat gefehlt», meint Olivia zu ihrem Beruf als Drogistin. Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss hat Olivia deshalb überlegt, in welche Richtung sie sich beruflich entwickeln möchte. Ihre Mutter unterstützte sie dabei und erwähnte: «Du hast doch mal gesagt, Milchtechnologin wäre etwas für dich?».

Der Wunsch nach Käsen geht in Erfüllung
Und dann ging alles schnell. «Wieso eigentlich nicht», dachte sich Olivia und vereinbarte gleich Termine für Schnupperlehren in regionalen Käsereien. Eine davon absolvierte sie bei Aschwandens in Seelisberg. Die Zeit für die Lehrstellensuche drängte. Denn es war bereits April, als Olivia in den verschiedenen Betrieben schnupperte. Und die Stelle als Drogistin musste sie ja auch noch kündigen, um die Zweitlehre beginnen zu können. Schlussendlich erhielt sie von zwei Betrieben eine Zusage auf ihre Bewerbung. Und in beiden Betrieben hat es ihr sehr gut gefallen, weshalb ihr der Entscheid nicht ganz einfach fiel. «Ich hörte auf mein Bauchgefühl und das war definitiv richtig», sagt Olivia strahlend. Sie kündigte innert weniger Tage ihre aktuelle Stelle und begann zwei Monate später die Lehre zur Milchtechnologin bei der Käserei Aschwanden in Seelisberg.
Der neue Arbeitsalltag als Milchtechnologin
Olivia hat im zweiten Lehrjahr gestartet und lernt den Stoff des ersten Lehrjahres zusätzlich. Zumindest im ersten Semester. «In der Berufsschule ist es einfacher als in meiner ersten Lehre», erklärt die 20-Jährige. Es stehen zwar ganz andere Fächer auf dem Stundenplan, wie etwa Produktherstellung und weitere technischere Fächer. Doch bei Mikrobiologie profitiert Olivia von Parallelen zur Lehre als Drogistin.

Nach dem Z’morge wird in der Käserei die geronnene Milch zu zweit verschnitten. Dann wird alles auf die exakt richtige Temperatur erwärmt und einige Zeit später in die Käseformen abgefüllt. Nun heisst es Kessi putzen, neue Milch einfüllen und wieder gerinnen lassen. Zeit für Z’nüni. Eine Lieblingsarbeit hat Olivia nicht: «Die Menge macht’s». Und genau das schätzt ihre Vorgesetzte Selina Aschwanden an Olivia: «Man merkt ihre Motivation und ihr Interesse extrem. Sie packt immer voll an.» Olivia liebt die Abwechslung, auch wenn ihr die Arbeit in der Produktion am besten gefällt. «Irgendwann hat man das Putzen schon auch gesehen, aber das gehört dazu und ist sehr wichtig. Deshalb stört es mich nicht», sinniert die junge Isenthalerin. Für die Reinigung gibt es einen wöchentlichen Plan. Neben der Produktion beansprucht die Arbeit des Käseschmierens im Käsekeller viel Zeit.
Milchtechnologin und damit kein reiner Männerberuf mehr
Milchtechnologe wird immer noch vorwiegend von Männern gelernt, auch wenn der Anteil an Frauen zunimmt. Drei weitere Frauen haben mit Olivia die Lehre zur Milchtechnologin gestartet und besuchen mit ihr die Berufsschule. Damit fallen in ihrer Klasse auf ein Dutzend Männer eine Hand voll Frauen. Der Beruf hat sich verändert und ist moderner geworden. Maschinen und Apparate unterstützen bei der Arbeit. «Ein Frauenteam ist genauso effizient, wie ein Männerteam», findet Olivia.

Das Geschlecht war bei der Stellenbesetzung auch nie ein Thema. «Uns ist die Dynamik im Team wichtiger und da sind beide Geschlechter wertvoll», präzisiert Selina Aschwanden. Im Team der Käserei Aschwanden arbeiten aktuell drei Frauen. Der Käsekeller ist der einzige Ort, wo sie um Männerhände froh sind. Denn um den grossen und schweren Bergkäse zu schmirren, benötigt man viel Muskelkraft. Selina Aschwanden liegt die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden am Herzen: «Das lassen wir junge Lernende, egal ob Mann oder Frau, nicht erledigen». Und wenn’s dann mal doch nicht anders geht meint Olivia: «Dann verrichten wir die Arbeit einfach zu zweit.»
Pure Freude am Käsen
Für Olivia war es die richtige Entscheidung. Sie fühlt sich in der Käsebranche zu Hause. «Die Leute sind einfacher, lockerer und bodenständiger», meint sie. Die Frohnatur sei seit dem Lehrstart voll motiviert, meint Selina Aschwanden und sagt: «Da macht die Arbeit noch mehr Freude.» Durch den frühen Start in den Arbeitstag endet die Arbeit für Olivia bereits am frühen Nachmittag. Im Sommer fährt sie oft mit der Seilbahn von Isenthal hoch zur elterlichen Alp und packt dort mit an. Das Älplerleben hat’s Olivia angetan. Zwar hat sie nach dem Lehrabschluss keine konkreten Pläne - doch einmal einen Sommer lang auf einer Alp arbeiten, wäre schon schön. «Eine Alp, wo gekäst wird, aber nicht nur. Das wäre optimal», sinniert Olivia.
Olivia liebt ein gutes Stück ihres Lieblingkäses - dem «Rahmigä». Den können Sie in Kürze selber geniessen: Das virtuelle Käselädeli hat rund um die Uhr geöffnet.
«Uf wyderluege»
Ihre Käserei Aschwanden